Wer war eigentlich GutsMuths?

Johann Christoph Friedrich GutsMuths

wurde am 9.8.1759 als einziger Sohn bürgerlicher Eltern in Quedlinburg geboren. Als Kind lebte er in aller Abgeschiedenheit, liebte das Handwerk und die Beobachtung der Natur. Er lernte sehr schnell und absolvierte das Gymnasium als Klassenprimus. Als Student übernahm GutsMuths den Unterricht des später berühmten Geografen Karl Ritter. Ab 1779 studierte er an der Universität in Halle Theologie, Mathematik, Philosophie, Geschichte, sowie die französische, italienische und englische Sprache.
Nach dem dreijährigen Studium übernahm er den Unterricht der Ritter'schen Kinder. Als Vater Ritter gestorben war, wurde GutsMuths vom Pädagogen Salzmann als Erzieher an dessen Erziehungsanstalt nach Schnepfenthal berufen. Dort übernahm er 1786 den Unterricht in Französisch, Englisch, Geografie und Geschichte.
Im weiteren Verlauf übernahm GutsMuths die körperliche Bildung, die Gymnastik, und errichtete an der "Hardt", einen Hügel in der Nähe von Schnepfenthal, den ersten planmäßigen Turnplatz der Neuzeit.

Danach nahm die Gymnastik unter GutsMuths im Schulleben und im Bewusstsein der Schüler einen immer breiteren Raum ein. Nach zweijähriger Tätigkeit entstand ein weiter Bestand an Leibesübungen. ("Wettlaufen, Voltigieren, Springen über einen Graben, Springen über eine Gerte, forcierte Märsche, Werfen nach dem Ziele, Schlittschuhlaufen, Schlittenfahren usw.") (2) Die Innovationen der GutsMuths'schen Tätigkeit lagen hauptsächlich im methodischen Bereich. Die Leibesübungen gediehen unter GutsMuths geschickter Leitung zu immer größerer Vollkommenheit." (3) Er führte das anstrengende, ernsthafte, planmäßige Erarbeiten von nachprüfbaren Leistungen, die methodisch verbessert und gemessen werden konnten ein. Er erprobte ständig entwicklungsfähige Methoden und stellte dabei die These auf.

"Man gebrauche nicht den Zwang! Man ermuntere durch Beifall!"

Er fand immer Mittel, seine Schüler zu motivieren und ließ das Leistungsprinzip zum Nerv der neuen Leibeserziehung werden. Sein wichtigster methodischer Grundsatz "Vom Leichten zum Schweren" hat auch heute in der modernen Sportdidaktik seine Gültigkeit.
Großes Ansehen hat sich GutsMuths durch die Herausgabe seines Hauptwerkes "Gymnastik für die Jugend" 1793 erworben. Dieses Werk wird in der Literatur als das wegbereitende und erste Werk solcher Art beschrieben.
Unter dem Motto: "Ihr lehrt sie Bürgerpflicht - auf ihres Körpers Wohl und Bildung seht ihr nicht" (4), stellte er einen Katalog aller seiner gymnastischen Übungen zusammen.

1797 heiratete GutsMuths, lebte in dem Dörfchen Ibenhain, zehn Minuten von Schnepfenthal entfernt, zwischen strebsamer Tätigkeit und familiärem Glück. Er wurde Vater von acht Söhnen und drei Töchtern, deren Erziehung er als seine Hauptaufgabe verstand. Mit zunehmendem Alter leitete GutsMuths immer noch den "Turnbetrieb" in Schnepfenthal, konzentrierte sich jedoch immer mehr auf die Geografie, um auch auf diesem Gebiet ruhmreiche Abhandlungen zu verfassen.

Damit kann man sagen, dass Johann Christoph Friedrich GutsMuths der wahre Begründer des Schulsports und der Leibesübungen ist und im Gegensatz zum Turnvater Jahn als der "Großvater des Turnens" bezeichnet wird.

1839 starb Johann Christoph Friedrich GutsMuths im damals hohen Alter von 79 Jahren.

Nach Ortwin Hochgräber


Quellen

(1): GutsMuths, Turnbuch für die Väter des Vaterlandes, Frankfurt 1817
(2): Nachrichten aus Schnepfenthal, Band 2, Leipzig 1788
(3): Ausfeld, J.W., Salzmann, Erinnerungen aus dessen Leben in Schnepfenthal, 2. Ausgabe 1834, S. 126.
(4): Frank, J.P.: System einer vollständigen medizinischen Polizei, Band 2, s. 566, 1780 Mannheim.

Diese Website benutzt Cookies, um Ihnen das beste Erlebnis zu ermöglichen. Weiterführende Informationen erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.